Periphere Arterielle Verschlusskrankheit – Ein Erfahrungsbericht

Dank der richtigen Therapie – Ein erfülltes Leben trotz pAVK.

Periphere Arterielle Verschlusskrankheit – Ein Erfahrungsbericht
Produkt und Innovation | Aug. 18, 2022

Neurostimulator rettet Heike K. das Bein – und lindert ihre Schmerzen dauerhaft.

Der Leidensweg von Heike K. beginnt unerwartet. Eines nachts wacht sie mit unerträglichen Schmerzen im rechten Bein auf. Zudem hat sie das Gefühl, dass es eingeschlafen sei. Doch obwohl sie sich viel bewegt und so versucht, den Schmerzen und dem tauben Gefühl entgegenzuwirken, stellt sich keine Besserung ein.

Also sucht Heike K. am Morgen den Hausarzt auf. Dieser vermutet einen Bandscheiben-vorfall und überweist die selbstständige Friseurin direkt zum Orthopäden, bei dem sie aufgrund dieser Diagnose behandelt wird. „Die Schmerzen nahmen jedoch einfach nicht ab. Besonders nachts konnte ich nicht schlafen. Auch die Tage in meinem Geschäft ließen sich nur noch schwer durchstehen. Dass ich mich im Schlaf nicht erholen konnte, machte es nicht besser“, erzählt die junge Frau. „Daher musste ich mich im nächsten Schritt bei einem Neurologen vorstellen. Dieser sah mich in das Sprechzimmer kommen und sagte direkt, dass er aufgrund meiner Bewegung eine Durchblutungsstörung vermutet. Noch am selben Tag wurde ich in die Klinik eingewiesen.“

Periphere Arterielle Verschlusskrankheit – Ein Erfahrungsbericht

Diagnose: Gefäßverschluss
Im Krankenhaus angekommen, stellt sich Heike K. bei Dr. Peter Baumann vor, der heute  Chefarzt der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie im Krankenhaus Weilheim ist. Dieser bestätigt nach einer kurzen Untersuchung den Verdacht des Neurologen: Die junge Frau leidet aufgrund eines Verschlusses aller drei Schlagadern im rechten Unterschenkel an einer schweren Durchblutungsstörung. Noch am selben Tag wird Heike K. operiert.

Die Gefäßverschlüsse sind jedoch derart fortgeschritten, dass sie weder durch mehrere Operationen, noch durch medikamentöse Maßnahmen wieder eröffnet werden können. „Ein Verschluss der Arterien ist in diesem jungen Alter selten, wenn er doch auftritt, sind die Auswirkungen aber häufig katastrophal“, erklärt Dr. Baumann das Krankheitsbild. Bei der Behandlung liegt die Herausforderung für Mediziner:innen darin, das Blut in der betroffenen Extremität dauerhaft wieder zum Fließen zu bekommen. In vielen Fällen ist die Erkrankung jedoch schon so weit fortgeschritten, dass eine Amputation der betroffenen Gliedmaße die einzige Option darstellt.

Ein Neurostimulator sorgt für bessere Durchblutung 
Mediziner haben erkannt, dass es unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist, ein Bein mittels einer bestimmten medizinischen Methode zu erhalten: Sie verwenden einen Neurostimulator, zum Beispiel das Prodigy™ Chronic Pain-System von Abbott, welches in der Nähe des Rückenmarks implantiert wird. Von ihm gehen feine Elektroden ab, die schwache elektrische Impulse an die Nervenfasern senden. Diese lindern nicht nur Schmerzen, sondern stellen gleichzeitig die Gefäße weit, wodurch der Blutfluss verstärkt wird. „Das System setzen wir vor allem bei älteren Patienten ein, um die durchblutungsbedingte Schaufensterkrankheit zu behandeln. Mitunter verwenden wir es aber auch, um Patienten mit Durchblutungsstörungen, bei denen ansonsten keine Hoffnung mehr bestehen würde, vor einer Amputation zu bewahren“ erklärt Dr. Baumann.

Für Heike K. ist es die einzige Hoffnung, das Bein erhalten zu können. Vier Zehen am rechten Fuß sind zu diesem Zeitpunkt bereits abgestorben und nicht mehr zu retten. „Nach einer eingehenden Untersuchung wusste ich, dass die Patientin geeignet sein könnte und gute Aussichten bestanden, das Bein mittels Neurostimulation zu erhalten“, beschreibt Dr. Baumann die medizinischen Überlegungen: „Denn eine Amputation sollte immer der letzte Ausweg sein.“ Zunächst wird der Neurostimulator, der von nun an den Blutfluss in den Gefäßen verbessern soll, testweise implantiert.

Mit beiden Beinen fest im Leben  
„Nachdem ich aufwachte, ging der erste Blick direkt zu meinem Bein. Ich hatte solche Angst, dass es nicht mehr da ist und war trotz der vorangegangenen Operation überglücklich und mehr als erleichtert, als ich es sah“, beschreibt Heike K. das Erwachen aus der Narkose. „Der Körper muss sich in einer solchen Situation erst langsam an die neue Situation gewöhnen, diese Zeit muss man ihm geben. Natürlich weiß ich aber auch, dass Geduld in dieser Situation eine Herausforderung ist“, erklärt Dr. Baumann. Und so folgt für Heike K. eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen. An deren Ende wird sie jedoch belohnt: Nach wenigen Tagen ist klar, dass sich die Hoffnungen von Dr. Baumann und Heike K. erfüllen.

Die Durchblutung des Beines verbessert sich derart, dass es nicht amputiert werden muss und der Neurostimulator endgültig implantiert werden kann. „Ich bin froh, dass ich diese Behandlungsmethode anbieten kann. Denn wie bei Frau K. ist es für manch einen Patienten mit Durchblutungsstörung die einzige Möglichkeit, bei Schaufensterkrankheit die Schmerzen zu lindern oder gar eine Amputation langfristig zu vermeiden“, sagt Dr. Baumann.

Seit nunmehr sieben Jahren erhält der Neurostimulator die Gefäße von Heike K. nun dauerhaft offen und so sagt sie heute: „Obwohl ich natürlich noch immer an Durchblutungsstörungen leide, blicke ich der Zukunft positiv entgegen. Denn ich kann auf meinen beiden eigenen Beinen durchs Leben gehen.“